Führerschein 1946
Erinnerungen--aufgeschrieben von Erwin Fligge aus Bremen !!
Wir schreiben das Jahr 1946 und Erwin nimmt den Rat an und macht mit seiner Frau den "FÜHRERSCHEIN". . .
... den Ratschlag mit dem Führerschein haben wir befolgt.Einfach war das nicht. Es wurden von jedem Fahrschüler 20 Liter Benzin für die Übungsfahrten verlangt.Benzin ist aber gar nicht so leicht zu bekommen.Da gab es nur den Umweg über amerikanische Zigaretten . Für Lebensmittel,amerikanische Zigaretten.Für amerkanische Zigaretten,Benzin.Die Fahrschule war nicht schwer.Großen Wert wurde auf §1 der Straßenverkehrsordnung gelegt.Bei Beginn des theoretischen Unterricht faßten sich alle an den Händen und sagten:"Jeder Teilnehmer am öffentlichen Straßenverkehr,hat sich so zu verhalten.Das er Keinen schädigt oder mehr als unvermeidbar behindert oder belästigt".Diesen Text habe ich nur zweimal gelesen,da konnte ich ihn schon auswendig.Vorfahrt habe ich mit meinem Mann zusammen gelernt.Eine Sache passt mir da nicht ganz.Da hieß es Motorkraft geht vor Muskelkraft.Da war ich mit meinem Pferdegespann ein Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse.Der praktische Unterricht war einfach.Das Fahrschulauto,war das Feuerwehrauto der Nachbargemeinde.Alle Fahrschüler saßen in dem Auto.Da konnte man gleich von den Fehlern der Anderen lernen. Die Worte:" Die Kupplung ganz langsam kommen lassen",habe ich mir häufig anhören müssen.Zweimal habe ich fahren dürfen.Beim ersten mal mußte ich viermal anfahren.Dabei habe ich den Motor nicht abgewürgt.Da sagte mein Fahrlehrer:"Da seht ihr es,auch Frauen haben ein Gefühl unten in den Beinen und nicht nur oben zwischen den Beinen".Die Männer haben alle laut gelacht und ich habe,auch wenn mir nicht danach zu Mute war mitgelacht .Beim zweiten mal bin ich auf der Landstraße gefahren.Als ich in den dritten Gang geschaltet hatte,hat mich der Fahrlehrer anhalten lassen."Das reicht,wir sind hier auf der Landstraße und nicht auf der Avus". Rückwärts fahren durften wir nicht .Das hatte sich der Feuerwehrhauptmann verbeten .Das Getriebe sei nicht mehr das Beste und Ersatzteile gäbe es nicht so einfach ! Die Prüfung war einfach.Zuerst mußte ich §1 der StVo aufsagen. Damit war die theoretische Prüfung für mich beendet. Mein Mann mußte eine Vorfahrtsfrage beantworten.Da mußte er ein Pferdefuhrwerk warten lassen. Wer glaubt,mit so einer Frage meinen Mann reinlegen zu können,hat sich geirrt.Trotzdem sind zwei Männer bei der theoretischen Prüfung durchgefallen ! Der Eine hat bei §1 versagt. Da kamen die Worte:"Jeder Teilnehmer am öffentlichen Verkehr..." . Der Prüfer hat den Mann unterbrochen und gebeten noch einmal von Vorne anzufangen.Doch auch beim zweiten und dritten Versuch kamen die gleichen Worte. Da hat der Prüfer gesagt:"Wir sehen uns noch einmal. Öffentlichen Verkehr gibt es in Hamburg in der Herbertstraße und nicht auf der Landstraße".Gelacht haben wir da nicht, nur innerlich geschmunzelt.Nicht das Durchfallen allein war schlimm. Da waren auch noch 5 Liter Benzin fällig. Der zweit Mann hat den Lehrsatz ,Motorkraft geht vor Muskelkraft bei einer Vorfahrtsfrage vergessen. Zweimal hat der Prüfer nachgefragt, doch die Antwort blieb immer die Gleiche. Da war der Mann auch durchgefallen. Vor der praktischen Prüfung hatte ich da richtig Manschetten(Angst) .Von den 8 Personen, die an dieser Prüfung teilnahmen waren schon 2 durchgefallen.Die einzige Frau in der Runde war ich von Anfang an gewesen. Da sagte der Prüfer auch noch, Damen haben Vortritt !! Alle Teilnehmer dieser Prüfung saßen hinten im Feuerwehrauto. Da habe ich mich hinters Steuer gesetzt. Kupplung ganz langsam kommen lassen und dann erst einmal ganz langsam das Auto rollen lassen. Der Hof auf dem das Auto stand war aber auch miserabel gepflastert. "Gleich, wenn wir vom Hof kommen nach links abbiegen", forderte der Prüfer. Da habe ich den Schalter für den Winker bedient.Doch der Winker klemmte wieder einmal. Also die Seitenscheibe ein Stück runter kurbeln und kräftig mit der Hand auf den Winker schlagen. Da kam der Winker aus seinem Gehäuse und zeigte die Richtung an. Auf der Straße wollte ich dann schneller fahren,doch dann kamen vom Prüfer die Worte:"Sehr gut. Die Fahrtrichtung anzeigen ist sehr wichtig.Sie haben bestanden" ! Auch die Männer, die nach mir gefahren sind brauchten alle nur eine kurze Strecke fahren und haben bestanden. Mein Mann hat geschätzt,das wir Beide zusammen vielleicht 5 Liter Benzin verfahren haben. Den Rest des Benzins haben sich wohl der Feuerwehrhauptmann und der Fahrlehrer geteilt . Vielleicht hat der Prüfer auch ein paar Liter abbekommen ??